Weshalb ich mich diesmal für die Klinik entscheide

Nach bereits drei Geburten, kann ich behaupten schon ein wenig Erfahrung gesammelt zu haben. Es war nicht immer alles schön von Beginn an, aber das Ende war es doch jedes Mal. Meine drei „Großen“ habe ich an unterschiedlichen Orten (Krankenhaus, Zuhause, Geburtshaus) in einer Stadt in NRW zur Welt gebracht. Ich hatte dort von Anfang an Kontakt zu wunderbaren Hebammen, wobei die Geburtshebamme von Kind3 eine Schulfreundin einer Freundin war. So konnte ich rechtzeitig vorsorgen und planen.

Der Geburtshaus-Check

Nun wohne ich allerdings etwa 600km entfernt, also besuchte ich hiesiges Geburtshaus, um meine Vorsorge und Geburt zu planen. Ich rief rechtzeitig an, um von Vornherein zu klären, ob dort eine Geburt zeitmäßig überhaupt in Frage käme. Im Sommer gibt es meist kaum noch freie Plätze, weil die Geburtenrate so hoch ist und auch generell sind Hebammen schwer zu finden. Aber ich sollte Glück haben! Dementsprechend freute ich mich. Ich bekam Namen und Telefonnummer meiner zuständigen Hebamme genannt und rief auch sie sofort an. Es stellte sich allerdings heraus, dass sie die Zeit nach der Geburt (das Wochenbett) nicht übernehmen konnte, da sie dann in Urlaub sei. Nicht so schlimm, dachte ich, dann suche ich mir für die Zeit eben eine weitere Hebamme.

Der Mann und ich nahmen im Geburtshaus an einem Info-Abend teil. Es waren sehr viele Paare da, manche schon sehr weit in der Schwangerschaft fortgeschritten, andere noch nicht. Nach den Informationen per „Vortrag“ durften wir uns dann DAS Zimmer angucken. Es lag im Kellergeschoss, im Vorraum stand eine große Eck-Badewanne. Danach gelangte man in den Raum mit Bett, Gebärhocker und einem Stuhl. Mehr war da nicht drin. Ich war etwas enttäuscht. Nicht von der großen Wanne, nein. Von dem kalten großen Raum mit den kahlen weißen Wänden. Der hatte für mich nichts mit Gemütlichkeit und Wohlbefinden zu tun. Ich besonn mich auf den Raum mit der Wanne. Er gefiel mir. Und vielleicht würde ich ja dieses Mal eine Wassergeburt in Betracht ziehen, so eine hatte ich doch noch nicht.

Ich sprach mit dem Mann über meine Bedenken. Er teilte meine Meinung. Für ihn war es wichtig, dass ich mich wohlfühle an dem Ort, an dem ich unser Kind zur Welt bringen würde. Wenige Tage später hatten wir dann einen Termin mit der Vorsorge-Hebamme. Auch mit ihr besprachen wir unsere Sichtweise, gingen nochmals hinunter in das Geburtszimmer und versuchten es uns unter anderen Bedingungen vorzustellen. Diesmal gefiel uns aber auch der Vorraum mit der Wanne weniger. Ich sagte ihr, ich würde mir nochmals Gedanken darüber machen und mir ebenfalls eine in Frage kommende Klinik anschauen, die auch sie uns empfohlen hatte. Danach würde ich sie über unsere Entscheidung informieren.

„Was ist denn eine kinderfreundliche Klinik?“

Auch der Info-Abend in der Klinik war sehr gut besucht, ausgebucht bis auf den letzten Platz. Eine anthroposophische, kinderfreundliche Klinik. Das klang schon mal gut. Auch wenn sich das „kinderfreundliche“ komisch für uns anhörte und zu Beginn noch keinen Sinn machte. Der vortragende Arzt und die Stillberaterin waren sehr amüsant und klärten uns ausreichend auf. Die Klinik ist stillfreundlich, sorgt dafür, dass das nötige Bonding zwischen Mutter/Vater und Kind stattfinden kann, bietet Familienzimmer an, hat nur sehr kurze Besuchszeiten und achtet darauf, dass Geburten so selbstbestimmt wie möglich ablaufen. Das war also dieses kinderfreundlich. Perfekt, dachte ich! Die Führung durch verschiedenste Geburtszimmer bestätigte unsere Meinung über die Klinik. Sie ist zwar nicht modernst eingerichtet, sondern eher rustikal, aber das lässt alles gleich viel gemütlicher wirken. Was im Geburtshaus fehlte. Auf dem Rückweg nach Hause gab es dann ein bestätigendes Gespräch mit dem Mann. Wir hatten uns also entschieden.

Ich teilte unseren Entschluss der Hebamme des Geburtshauses mit. Sie wünschte uns alles Gute. Komischerweise ging sie auch davon aus, dass ich dann keine Vorsorge mehr bei ihr machen würde, was eigenartig war, da das Eine mit dem Anderen doch nichts zu tun hatte?! Und von da an wollte ich dann eigentlich auch gar nicht mehr. Ich bleibe also weiterhin bei meiner Gynäkologin, mit der ich sehr zufrieden bin.
Eine Nachsorge-Hebamme, die sich nach meinem Suchaufruf bei mir meldete, musste mir wieder absagen, weil ich keine 3 Tage in der Klinik verweilen möchte. Ich habe drei weitere Kinder, um die ich mich kümmern muss. Wie soll das gehen? Eine Hebamme für’s Wochenbett habe ich also nach wie vor nicht. Vielleicht erklärt sich die Nachbarin meiner Schwester ganz spontan dazu bereit, uns zu betreuen. Die Hebammensituation hat sich seit meiner letzten Schwangerschaft wirklich extrem verschlechtert. Ich werde berichten, ob wir dann letztendlich doch noch in den Genuss einer Hebammenbetreuung kommen oder doch auf uns allein gestellt sind.

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